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  Legasthenie und
Dyskalkulie Rheinland-
Pfalz e.V.


Gutenbergstraße 5
56179 Vallendar

Tel. 02 61 / 624 58
Fax 02 61 / 667 91 26
info@legasthenie-rlp.de



"HERZLICH WILLKOMMEN"

Wir begrüßen Sie auf unserer Internetseite.



"Säße ich im Rollstuhl, hätte jeder Mitleid mit mir.
Wenn ich sage, dass ich Legastheniker bin, gelte ich als dumm".


Aussage von Professor Dr. med. Tiemo Grimm von der Universität Würzburg
Facharzt für Humangenetik
Facharzt für Kinder/ Jugendmedizin und Legastheniker



 

5. Symposium am 02. April 2011
Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie RLP 

Am 02.04.2011 veranstaltete der LVL auf dem Gelände der HWK Koblenz sein 5. Symposium.

Die erste Vortragende war Frau Katrin Sellin aus Lübeck. Sie ist Gymnasiallehrerin, Lerntherapeutin für Legasthenie/Dyskalkulie/Psychomotorik.
Frau Sellin sprach zum Thema "Fremdsprachen bei Legasthenie".

Bei der Arbeit mit Legasthenikern sind Überlegungen zu wirksamem Üben wichtig, weil viele Schüler weniger Schwierigkeiten mit dem Verständnis der Grammatik haben, sondern vielfach Übungs- oder Automatisierungsdefizite. Für jeden Schüler muss daher das Übungsmaterial nach individuellen Gesichtspunkten zusammengestellt werden. Hierfür sind einige grundsätzliche Hinweise hilfreich. Der Entwicklungsstand des Kindes muss klar sein, da beim Lernen – natürlich auch beim Fremdsprachenerwerb – von gesichertem Wissen,  von Bekanntem ausgegangen und Neues hinzugefügt werden muss, damit im Gehirn neue synaptische Verbindungen entstehen, die die Grundlage zum Lernen und Erinnern sind. Je zahlreicher die Kanäle sind, über die Informationen verarbeitet werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine individuell dauerhafte Gedächtnisspur entsteht, die eine Voraussetzung dafür ist, dass das Kind die Elemente speichert. Ein Bezug zum bereits Gelernten sollte geschaffen sowie Altes mit Neuem vernetzt werden. Größtmögliche neuronale Aktivität und Selbstständigkeit müssen angestrebt werden. Es ist wichtig, in kleinen Schritten zu üben, da ein zu umfangreiches Angebot nicht gut gespeichert wird. Folglich sollte auch häusliches Üben nicht länger als 10 bis 15 Minuten dauern.

Unterforderung -  das Kind leistet nicht wirklich etwas, es verliert die Lust am  Lernen

 
Überforderung  - das Kind hat keinen Erfolg, es verliert die Lust am Lernen, weil die sichere Basis des Wissens fehlt als Ausgangsbasis für Neues.

Für den Fremdsprachen- und Vokabelerwerb nannte Sie Hilfsstrategien, die man aufbauen und einschleifen muss.

Literatur hierzu: „Wenn Kinder mit Legasthenie Fremdsprachen lernen“
ISBN: 3-497-01986-1.

 

Der zweite Referent war Dipl.-Psychologe Dr. phil. nat. Harry de Maddalena von der Universitäts-HNO-Klinik, Universität Tübingen.
Er behandelte das Thema "Störungen in der zentral-auditiven Verarbeitung bei Schulkindern". 

Schon seit vielen Jahren werden Störungen in der zentral-auditiven Verarbeitung als Mitursache für sprachliche Entwicklungsauffälligkeiten  sowie damit assoziierte schulische Lernauffälligkeiten (z.B. Lese- Rechtschreibstörung) genannt. Die Diagnose einer zentral-auditiven Verarbeitungsstörung wird jedoch immer noch nicht einheitlich gestellt. Im engeren Sinne basiert die Diagnosestellung auf einer nachgewiesenen Störung in einer oder mehreren klar definierten zentral-auditiven Funktionsbereichen,  im weiteren Sinne werden auch Störungen in der phonologischen Bewusstheit und im phonologischen Arbeitsgedächtnis bei der Diagnosestellung explizit mitberücksichtigt. Eine besondere diagnostische Herausforderung stellt immer wieder die Abgrenzung zu Verhaltensstörungen in der Kindheit wie z.B. Aufmerksamkeitsstörungen dar, da valide Testverfahren fehlen, die eine aussagekräftige Differenzierung ermöglichen würden. Nach wie vor problematisch ist außerdem, dass ein allgemein anerkanntes Testinventar fehlt, das ein berufsgruppenübergreifendes einheitliches Vorgehen bei der Diagnosestellung garantiert.

Die Förderung der zentral-auditiven Verarbeitung kann sich auf das betroffene Kind fokussieren und/oder aber eine Verbesserung der auditiven Umweltbedingungen zum Ziel haben. Insbesondere bei Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten wie Lese-Rechtschreibstörungen ist in der Regel eine isolierte Förderung der zentral-auditiven Perzeption nicht ausreichend, sondern sie sollte bei Bedarf in eine breit gefächerte Förderung eingebettet sein.

 


Damit eine Förderung von Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen und Legasthenie oder Dyskalkulie möglich ist, müssen die nachfolgend aufgeführten Mängel in unserem Schulsystem beseitigt werden. Dieses fordern wir für Rheinland-Pfalz.


Lehrerausbildung ist auf dem Gebiet Legasthenie/Dyskalkulie nicht vorhanden.

Grundsätzlich müssen für alle Schularten die Lehreraus/Weiterbildungen verpflichtend sein. Dieses muss vorrangig in der Grundschule umgesetzt werden.

Die Aus/Weiterbildung muss für den gesamten Lehrkörper verpflichtend sein, incl. der Schulleitung.

Realschule plus - Legastheniker haben keine Chance in diesen Schulzweig zu kommen, da sie in den Fächern "Sprachen" nicht den notwendigen Notenschnitt (zwischen 2 und 3) erreichen können.

Wegen Lehrermangel ist eine kontinuierliche Förderung nicht möglich.

Lehrer sollen einen Förderplan verpflichtend ausführen.

Legastheniker in der Oberstufe haben keine rechtlichen Möglichkeiten in Bezug auf Fehlerberücksichtigung und Zeitzuschlag, also ist ein Nachteilsausgleich wie bis zur Klasse 10 notwendig.

Dyskalkulie ist nicht in die Verwaltungsvorschrift aufgenommen. Die Zahl der Schüler mit Dyskalkulie nimmt stetig zu.

Jugendämter zahlen nur bei attestierter psychischer Erkrankung eines Kindes. Eine nicht erkannte Legasthenie/Dyskalkulie führt unweigerlich dazu. Hier wird erst geholfen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Die bestehende Verwaltungsvorschrift wird an vielen Schulen nicht umgesetzt.


 


 
 
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